Neuigkeiten im Ausbildungszentrum Steyrermühl

Life Long Learning oder die Verknüpfung von Bildung und Kompetenz

Eine Herausforderung unserer modernen Bildungsgesellschaft ist, erworbene Qualifikationen in Kompetenzen zu übersetzen.
Life Long Learning benötigt Systeme, die an die Kenntnisse und Fähigkeiten der Lernenden anknüpfen. Oftmals sind schulähnliche Systeme dafür ungeeignet und nicht passend.

1. Bildung

Bildung ist derzeit ein aktuelles Thema im gesellschaftlichen Diskurs. Was versteht man unter dem Begriff Bildung? Der einfache Bildungsbegriff reduziert sich auf Qualifikationen, Wett-bewerb, Leistungssteigerung und schlägt sich in „Pisastudien“ nieder. Bildung darf nicht nur „Belehrung“ auf kognitiver Leistungsfähigkeit sein, sondern soll auch Erfahrung, Wahr-nehmung, Einsichten und Erkenntnisse, Empathiefähigkeit, Möglichkeit sich zu verständigen, Selbstwirksamkeit, Selbstverantwortung und Reflexionsfähigkeit auf emotionaler Ebene des Individuums sein.

2. Kompetenz

Die Europäische Kommission (2005) definiert den Kompetenzbegriff als: „Ausdruck der Fähigkeit des Individuums, Wissen und Fertigkeiten in unterschiedlichen Kontexten selbstgesteuert zu bündeln.“ Im Rahmen der Zertifizierungen schlägt die Europäische Kommission folgende Ausprägungen des Kompetenzbegriffes vor:

Ausprägung des Kompetenzbegriffes (Vorschlag der Europäischen Kommission zur Systematik der Kompetenzen)

Kognitive Kompetenz    Schließt den Gebrauch von Theorien und Konzepten ein. Beinhaltet auch das durch Erfahrung gewonnen implizite Wissen (tacit knowledge)
Funktionale Kompetenz Kompetenzen, die zur Ausübung einer konkreten Tätigkeit
(Fertigkeiten, Know-how)  erforderlich sind
Personale Kompetenzen  Dient zum Vorhaben und zum Umgang in einer gegebenen Situation
Ethische Kompetenz  Umfasst bestimmte persönliche und soziale Werte

 

Negt beschreibt fünf Kompetenzen oder gesellschaftliche Schlüsselqualifikationen mit:

  • Identitätskompetenz – den Umgang mit bedrohter und gebrochener Identität lernen;

  • technologischer Kompetenz – gesellschaftliche Wirkungen von Technik begreifen und Unterscheidungsvermögen entwickeln;

  • Gerechtigkeitskompetenz – Sensibilität für Enteignungserfahrungen, für Recht und Unrecht, für Gleichheit und Ungleichheit;

  • ökologischer Kompetenz – der pflegliche Umgang mit den Menschen, mit der Natur und den Dingen;

  • historische Kompetenz – Erinnerungs- und Utopiefähigkeit.

Nach einem Modell der amerikanischen Psychologen Paul Costa und Robert McCrae (1992) werden Kompetenzen in die „Big Five“ eingeteilt:

Extraversion – Herzlichkeit, Geselligkeit, Durchsetzungskraft, Aktivität Erlebnishunger, Fröhlichkeit

Neurotizismus – Ängstlichkeit, Feindseligkeit, Depression, Selbstbezogenheit, Impulsivität, Verletzlichkeit

Verträglichkeit – Vertrauen, Moralität, Altruismus, Kooperation, Bescheidenheit, Mitgefühl

Gewissenhaftigkeit – Kompetenz, Ordnungsliebe, Pflichtbewusstsein, Zielorientiertheit, Selbstdisziplin, Besonnenheit  und

Offenheit für Erfahrung – Fantasie, Ästhetik, Offenheit für Gefühle, Experimentierfreudigkeit, Ideen und Liberalismus.

Ein Paradigmenwechsel vom Teaching zum Learning ist notwendig.
Qualitätsvolle Bildung im Sinne von kognitivem Wissen und emotionaler Ebene, in kurzer Zeit möglichst effektiv umzusetzen bedarf einer durchdachten Struktur.

3. Entwicklung von Professionalität im internationalen Kontext

Um Bildung und Kompetenz zu verbinden ist es für die Lehrenden wichtig Möglichkeiten für die Praxis zu bekommen und die erworbenen Kompetenzen im Bildungsprozess weiter vermitteln zu können.

Die vom Bundesministerium von Bildung, Wissenschaft und Kunst eingesetzte Arbeitsgruppe hat fünf Domänen von Professionalität herausgearbeitet, die das Handeln der Lehrer/innen und Vortrag im Alltag bestimmen. Die Domänen sind als Kompetenzfelder zu verstehen, die Hilfen und Anregungen für die Praxis bieten sollen.

Diese nachstehend angeführten fünf Domänen liefern Impulse und inhaltliche Bausteine für eine lernende Schule und lernende Organisationen.

EPIK bedeutet einen Sichtwechsel – einen Perspektivenwechsel (Paradigmenwechsel) – der aufgrund der Berufsblindheit gemacht werden soll (muss).

Die Domänen

3.1. Reflexions- und Diskursfähigkeit

Das Teilen von Wissen und Können!
Sozial kompetente Lehrpersonen und Vortragende nehmen nicht nur den Unterricht anderer aufmerksam wahr, sondern auch den eigenen. Sie zeigen die Fähigkeit, sich von ihrem eigenen Tun zu distanzieren und werden dadurch überhaupt erst dazu fähig, über ihren eigenen Unterricht ein Urteil zu fällen.
Durch diese Distanzierungsfähigkeit wird es auch erst möglich, das eigene Tun kritisch zu betrachten und sich auszutauschen.
Diese Fähigkeiten sind somit Kennzeichen professionellen Handelns im Lehrer/innen/beruf und in der Lehre.

3.2. Professionsbewusstsein

Sich als Experte / Expertin wahrnehmen!
Widersprüchliche Anforderungen wahrnehmen und dabei auf Wissen und Können verweisen, das Sicherheit und Gewissheit gibt. Ein Experte für Lernprozesse, der die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen der zu Lehrenden kennt und darauf aufbauend Ziele sowie Schwerpunkte in der Arbeit festlegt.
Professionsbewusstsein haben heißt zu erkennen, was den Lehr- oder Vortragsberuf zu einem eigenen Beruf macht und sich aufgrund dieses Bewusstseins von anderen Berufen abzugrenzen.
Professionsbewusstsein bedeutet:

  • aufgeschlossen gegenüber Veränderungen

  • lebenslanges Lernen

  • Kooperation mit Kollegen

  • sein Wissen und Können für einen genau definierten Bereich kennen

  • verschafft Selbstvertrauen

3.3. Personal Mastery

Die Kraft individueller Könnerschaft!
Die individuelle Könnerschaft liegt darin, dass eine üblicherweise negativ besetzte Situation genutzt wird, um eine soziale Lerngelegenheit für alle zu schaffen.
Professionalität zeigt sich vor allem darin, Wissen und Können in der jeweiligen Situation wirksam einzusetzen. Wie Wissen und Können miteinander verknüpft werden, hängt von der Personal Mastery ab.
Individuelle Könnerschaft ist das Resultat eines individuellen Bildungsprozesses, innerhalb dessen der Wille wirksam ist, einen eigenen Weg zu finden, um in unterschiedlichen Situationen die Bildungsprozesse der Schüler/innen oder Teilnehmer wirksam zu verbessern.

3.4. Kollegialität

Die Produktivität von Kooperation!
Durch die beständig wandelnden Anforderungen an lehrende Institutionen werden Alleingänge bzw. wird das Einzelkämpfertum unproduktiv.
In den Vordergrund rückt eine neue Form der „Vergemeinschaftung“ im Kollegium, das durch ein Arbeitsbündnis gekennzeichnet ist.
Anders ausgedrückt handelt es sich um Lerngemeinschaften von Expert/innen um sich miteinander über den Kenntnis- und Theoriestand ihres Berufes auszutauschen, unter Berücksichtigung von Raum und Zeit, damit eine Kultur der Offenheit gepflegt werden kann.

3.5. Differenzfähigkeit

Der Umgang mit großen und kleinen Unterschieden!
Unterschiedliche Lernvoraussetzungen der Schüler/innen oder Teilnehmer ergeben täglich neue Herausforderungen.
Diese Herausforderungen gilt es anzunehmen. Die Vielfalt in Lerngruppen ermöglicht voneinander zu lernen, sich aneinander zu reiben, Konflikte auszutragen, sich gemeinsam weiter zu entwickeln, aber auch sich bewusst abzugrenzen.
„Differenzfähige“ Lehrer/innen und Vortragende gehen nicht von ihrem eigenen Bild des Idealschülers oder Teilnehmers oder des Standardschülers oder Teilnehmers aus, sondern bemühen sich im Sinne individueller „Falldeutungen“ um maßgeschneiderte Lernförderung.
„Differenzfähigkeit“ erfordert Wissen, wie man mit unterschiedlichen Lern-, Kommunikations- und Integrationsschwierigkeiten umgeht.
Beobachtungs- und Einfühlungsvermögen sind dabei wesentliche Voraussetzungen für den Umgang mit Unterschieden.

Weitere Infos unter: http://epik.schule.at

Mag. Ramona Uhl

 

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